Gewerbe / Industrie
Testfuchs
Betriebsrestaurant
Neubau
"Testfuchs" ist ein Name, der beim ersten Hören aufhorchen und dabei sofort ein Bild im Kopf entstehen lässt: Er nennt die Fauna und die technische Zivilisation in einem Atemzug und transportiert dabei unterschwellig auch etwas von der fabelhaften Schläue, die dem Fuchs zugeschrieben wird. Tatsächlich ist die Firmenbezeichnung Testfuchs sprachlicher Verbundstoff, der den Namen der Unternehmerfamilie Fuchs mit dem Unternehmensgegenstand kombiniert, der in der Entwicklung und Herstellung von Prüfverfahren und -geräten für die Luft- und Raumfahrt besteht.
Dass ein solches Unternehmen seinen Sitz nicht in den angestammten und tendenziell urbanen Industriegebieten des Landes hat, sondern drei Familiengenerationen nach der Gründung immer noch im einschichtigen Waldviertel: Das gehört zu den Überraschungen, die der an Wundern nicht arme Landstrich im hohen Norden bereithält. Die Fahne als High-Tech-Betrieb von internationaler Reputation in einer von Abwanderung bedrohten und infrastruktureller Ausdünnung in Mitleidenschaft gezogenen Region hochzuhalten, zeugt von Mut, hohem sozialem Verantwortungsgefühl und einer engen emotionalen Bindung an eine Gegend, in der sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, wie es so plakativ wie schön heißt.
Die besagte infrastrukturelle Ausdünnung und das Bestreben, die Menschen mit überdurchschnittlich attraktiven Arbeitsbedingungen im Waldviertel zu halten oder gar zu einer Übersiedelung dorthin zu bewegen, sind die Väter eines Neubaugedankens, mit dem Testfuchs an uns herantritt: Es gilt ein Betriebsrestaurant zu entwerfen, zu planen und zu realisieren, das sowohl ein ausdrucksstarkes Unternehmensstatement wie auch ein Ort der Gastlichkeit dort sein soll, wo rundum ein bereits dramatischer Mangel an Gasthäusern und Nahversorgern entstanden ist.
Einen ersten wesentlichen Inspirationsgeber für unsere Lösung finden wir an Ort und Stelle: Jenen als technisches Artefakt hochästhetischen Kampfjet, der als Landmark auf dem Testfuchs-Areal gelandet ist – auf Dauer, aber dennoch wirkend, als könne er jeden Augenblick wieder durchstarten. Er lässt uns an seine Vorläufer in der Geschichte des Flugzeugbaus denken, wie sie heute noch in den technischen Museen der Welt zu studieren sind: die ersten Flugkörper aus Leonardo da Vincis Zeiten mit aerodynamischen Tragflächen und Spanten aus Holz. Sie stiften die Idee, dieses spezielle Stück Holzbauhistorie ins Testfuchs-Restaurant zu übertragen und ihm formal Flügel zu verleihen. Entwurfsschritt für Entwurfsschritt wird daraus eine Rippendecke, die sich dynamisch aufdreht.