Tourismus
LA SONETT, Am Graben Drei
Revitalisierung / Interieur
"LASST ES EUCH GMUNDEN": keine schlechte Ansage, die so in schlanken Versalien auf der kleinen Speisekarte der eleganten Pâtisserie und Boulangerie La Sonett in der genannten Stadt steht.
Die Adresse Am Graben 3 verweist retour ins Mittelalter, als sich Gmunden bereits so einmalig schön in trauter Harmonie mit Berg und See an seinem Platz befand. Aber noch kein mit Kaffeehäusern, Hotels und Seepromenade ausgestatteter Sommerfrischeort war, der sich noch heute ein Stück wohler in der Vergangenheit als in der Gegenwart zu fühlen scheint. Was dieser Tage nur mehr "Graben" heißt, war damals tatsächlich einer: 15 bis 22 Meter breit, ordentlich tief und dabei trocken, da das Gefälle des Geländes eine Flutung – wie in den Stadtgräben von Wien, Linz und anderswo üblich – verunmöglichte. Mitte des 19. Jahrhunderts wusste man die Sicherheit des Salzhandels längst anderweitig zu gewährleisten weshalb der Graben aufgefüllt, mit Kastanien bepflanzt und fortan als Festgelände für Kirtag und Co genutzt wurde.
Auf diese Zeit, genauer gesagt auf 1858, geht die im salzkammerguttypischen Hausstil errichtete Nummer drei auf dem kleinen Platz an der Kreuzung von Theatergasse und Graben zurück, für den aus dem Jahr 1623 ein Vorgänger verbürgt ist. Die längste Zeit seines Bestandslebens war das historische Juwel Geschäfts- und Wohnhaus in einem. Als solches beherbergte es zu verschiedenen Zeiten ein Fotostudio mit Postkartenverlag, einen Friseursalon wie auch in geradezu prophetischer Vorwegnahme der aktuellen Nutzung eine Feinkosthandlung und gleich zweimal eine Bäckerei. Zuletzt war sogar eine Bank ansässig, die in einem der besonderen Zimmer auch noch deutlich erkennbar ist. Der ehemalige Tresorraum wurde in ein Gästezimmer umgebaut und die noch verbliebenen Teile erinnern an eine Übernachtung im James-Bond-Stil.
All das hat natürlich seine Spuren hinterlassen, die dem Haus nicht alle gut getan haben. Zu letzterer wurden wir als Planer und Baustellenmanager wie auch als Interieur Designer beigezogen. In den oberen Stockwerken galt es zehn Apartments für sommerfrischelnde oder anderweitig urlaubende Gmunden-Aficionados unterzubringen, während im Erdgeschoß alles für das angedachte frankophile Bäckercafé betriebsfertig zu machen war.
Um dem Gebäude wieder zu seiner angestammten Substanz zu verhelfen und es schonend auf die hohen Ansprüche des 21. Jahrhunderts vorzubereiten, entschlossen wir uns zu einer vollständigen Entkernung.
Um den Gästen subtil zu vermitteln, dass sie sich gerade mitten in Gmunden befinden, bezogen wir uns in der Farbgebung auf die satten Farben des Traunsees. Sei es in Form der blau gebeizten Decke, des hohen Blauanteils am Materialmix der Lokaleinrichtung oder in Gestalt der halb tiefgrün und halb tiefblau gehaltenen Keramik. Verschiedene Braun- und Grautöne - die am Lokalboden in Echtstein und Fischgrätverlegung umgesetzt wurden - runden das Spektrum der Farben ab, die gemeinsam mit den gediegenen Stoffen für das angenehme Gefühl einer wohligen Schwere wie von einem eleganten, tiefgründigen und edlen Rotwein sorgen.
So geht moderne Gemütlichkeit, meinen wir alles in allem.