Tourismus
LA SONETT, Am See
Revitalisierung / Interieur
Manche Räume geben vor, größer zu sein, als sie sind – das La Sonett am See macht kein Geheimnis daraus. Als zweiter Standort des La Sonett am Graben führt es dessen Handschrift an den See weiter, in eigener Fassung: Auf 85 Quadratmetern im ehemaligen Hotel Austria, das seit dem 19. Jahrhundert von der Glanzzeit der Grand Hotels erzählt, ist ein mittleres Raumwunder gelungen: Lokal, Lager, Technik, Kühlung und Eisproduktion – alles findet hinter der Storefront seinen Platz.
Großzügig ist hier das erste und das letzte Wort. Das liegt an der neuen, aber nicht neu wirkenden Massivholztäfelung in einem warmen Schokoton, bewusst nicht zeitgeistig, an der Verspiegelung von Wand und Decke, die den Raum weitet, und daran, dass jede Praline zu ihrem Geltungsrecht kommt. Verputz, Anstrich, Tapete oder Furnier sucht man vergeblich – kein Quadratmillimeter davon. Selbst die Eisstanitzel- und Schilderhalter sind aus purem Stein gefräst.
Das Material erzählt, wovon das Haus lebt. Der Gestaltungsraster von Täfelung und Regalstruktur greift die Rippung der Schokoladetafeln auf; Spiegelglas, das Metall der Eisbehälter und die Marmorierung von Theke und Steinboden sprechen von der frischen Kälte des Eises. Nach außen öffnet sich das Lokal dreifach: Das hohe Rundbogenportal bekam je einen baugleichen Klon zur Linken und zur Rechten und holt so den Rathausplatz samt See ins Innere – ganz nebenbei eine Annäherung an den historischen Urzustand mit fünf Portalen nebeneinander.
So bewältigt das La Sonett am See mühelos einen doppelten Spagat: zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Österreich und Frankreich.