Gewerbe

Kapuzinerkloster
Linz

Revitalisierung / Neubau

In Linz gibt es verschiedene Plätze, die ausgezeichnet dazu taugen, Auswärtigen die DNA und den Charakter der Stadt zu veranschaulichen. Einer davon liegt, halb prominent, halb versteckt an bzw. über der Kapuzinerstraße. Auf engem Raum stehen sich die ganze alte und die ziemlich junge und ziemlich wilde Linzer Kulturgeschichte gegenüber: Zum knallbunten Kulturzentrum Kapu, in dem schon Bands wie Green Day, Nirvana und Fugazi gespielt haben, waren die alte Kapuzinerkirche und das genauso alte Kapuzinerkloster immer selbstverständlicher Teil der Nachbarschaft.

Es entsteht etwas Neues: Das barocke Ensemble mit Kloster und Kirche aus dem frühen 17. Jahrhundert bekommt ein junges Gegenüber. Gleich doppelt: Zum flachen hofseitigen Zubau, der sich ans Kloster schmiegt, gesellt sich ein kantiger Neubau vis-à-vis.
1991 aufgelassen, ist das Kloster in seiner langen Vergangenheit schon alles Mögliche gewesen: Monasterium, Druckerei, Priesterseminar, Polizeidienststelle und Studentenwohnheim. Was es mit den Neubauten verbindet, ist der gemeinsame neue Widmungszweck: Die Büroarbeit des 21. Jahrhunderts, für die im Ensemble um- und neugebaut wird. Die 2016 profanierte Kapuzinerkirche besteht hingegen in ihrer künftigen Funktion als kulinarischer, sozialer Mitarbeiter*innentreffpunkt als Ort von Gemeinschaft im weitesten Sinne fort.

Dem Baubeginn im Oktober 2022 geht ein mehrjähriger Vorlauf voraus. Es entsteht eine Gesamtlösung mit Zubau und achtgeschossigem Neubau. Im Zusammenspiel mit Kirche und Kloster entsteht davor ein ruhiger, offener Platz: Die sprichwörtliche Oase der Stille mitten in der Stadt, wie auch die Terrasse mit Blick zum Wald eine ist.

Das Abenteuer beginnt staubig: Mit einem Umbau des Wegs zum benachbarten Institut für Hör- und Sehbildung entlang der Baustelle, damit die Schüler*innen auch während der Bauzeit sicher zum Sportplatz gelangen. Sowie, vor allem, mit Aushub- und Abbrucharbeiten, wo nötig. Infolge ihres Alters und ihrer architektonischen Qualität stehen Kirche und Kloster selbstredend unter Denkmalschutz. Darüber hinaus bringt die Arbeit auf im Wortsinn historischem Boden während der Erdarbeiten die laufende Präsenz eines Archäologen mit sich. Bleiben die Sensationsfunde auch aus, taucht dennoch deutlich mehr auf, als wir erwartet hatten: Knochen, Scherben und andere Spuren der Vergangenheit. Auch auf der Baustelle Kirche, deren Seitenschiffe wir mit neuen Öffnungen versehen und in die wir eine 25 Tonnen schwere Stahlbühne einziehen. Indem sie ein neues Geschoß und einen direkten Zugang zum ersten Obergeschoß im Neubau schafft, teilt sie den Kirchenraum – und bietet sich mit ihren arenaartigen Sitzstufen zugleich als Auditorium für Versammlungen und Veranstaltungen an.

Eine Reise durch die Vergangenheit.
Kapuzinerkloster / Convent Garden TEIL 1

Es ist vollbracht!
Kapuzinerkloster / Convent Garden TEIL 2